Pressematerial

Ein Punkt für den Südbahnhof

Im Herbst eröffnet am Südbahnhof ein kleiner Lebensmittelladen mit biologischen Produkten aus der Region. Das Besondere: PUNKT ist basisdemokratisch organisiert und mitgliederfinanziert.


Hier soll ein Ort entstehen, an dem sich Menschen mit regionalen und ökologischen Lebensmitteln versorgen können. Nachhaltige Hygiene- und Haushaltsprodukte soll es auch geben. Die laufenden Kosten werden über Mitgliedsbeiträge finanziert, was günstige Preise ermöglicht. Der Laden wirtschaftet kostendeckend und als Kollektivbetrieb. Das heißt: niemand ist hier Chef*in und es muss kein zusätzlicher Gewinn erwirtschaftet werden.

„Wir möchten auf Augenhöhe miteinander arbeiten und uns alle gleichermaßen verantwortlich fühlen“, so Mitgründer Tobias Haberland. Mitbestimmen dürfen allerdings nicht nur alle im Team, sondern auch alle, die dort regelmäßig einkaufen möchten. Denn das Ganze ist als Genossenschaft organisiert, bei der die Verbraucher*innen einen direkten Draht zu den Erzeuger*innen haben. Wer Mitglied wird, zahlt einen monatlichen Beitrag, über den die laufenden Betriebskosten des Ladens gedeckt werden. Dafür wird kaum auf die Waren aufgeschlagen. Das Team rechnet damit, mindestens 20% unter den üblichen Biomarkt-Preisen bleiben zu können. „Wir haben auf unserer Internetseite einen Ersparnisrechner eingerichtet, damit die Menschen ein Gefühl dafür bekommen, ab wann sich eine Mitgliedschaft für sie finanziell lohnt,“ erklärt Haberland.

Lohnen tut sie sich allerdings auch aus anderen Gründen: Wegen der entspannten Einkaufsatmosphäre zum Beispiel. Das Team möchte aus dem ehemaligen Blumenladen einen Ort machen, der auch zum Wohlfühlen und Verweilen einlädt – mit Sitzgelegenheiten, Kaffeemaschine und Kinderspielecke. „Es gibt auch eine Art soziale Nachhaltigkeit“, meint Katharina Verhaal vom Gründer*innenteam. „Alle Genossenschaftsmitglieder haben das gemeinsame Ziel, ökologisch und regional einzukaufen. Das verbindet und öffnet den Raum, um gemeinsam zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Dabei spielt auch der soziale Austausch eine entscheidende Rolle. Wer in einen herkömmlichen Supermarkt geht, ist nur Konsument*in – bei uns geht es quasi ums Ganze.“ Dabei übernehmen die Mitglieder auch ein Stück soziale Verantwortung für einander: Wer weniger Geld hat, zahlt den ermäßigten Beitrag, wer etwas mehr hat, den Solidarbeitrag. Und wer gar keinen monatlichen Beitrag zahlen möchte, kann trotzdem bei PUNKT einkaufen – allerdings zu marktüblichen Preisen.

Was die ökologische Nachhaltigkeit angeht gibt’s keine Kompromisse: Gemüse, Mehl, Zucker, Käse und Brot kommen von lokalen Erzeuger*innen aus dem Marburger Umkreis, der Rest von einem regionalen Biogroßhandel. Auch Getränke und Haushaltsartikel soll es geben – „so ziemlich alles, was Menschen auch beim Gang in den Supermarkt bekommen würden. Dabei wollen wir den Anteil an lokalen Lieferant*innen sukzessive weiter erhöhen“, so Johanna Dönges. Auch eine kleine DIY-Ecke ist geplant: Dort findet mensch alles, um etwa selbst auf dem Balkon Tomaten zu ziehen oder Waschmittel eigenhändig anzurühren. Die Ladenausstattung besteht zum größten Teil aus recycelten Materialien und Secondhand-Mobiliar. „Es macht Spaß, mit dem, was vorhanden ist, kreativ umzugehen und etwas Neues, Schönes zu gestalten“, so Dönges. „Dabei bekommen wir viel geschenkt – es fühlt sich toll an zu merken, dass viele Leute unser Konzept gut finden.“

Und das Konzept liegt im Trend: Mitgliederläden gibt es bereits in vielen Städten und auch in Marburg existiert seit über 20 Jahren der alteingessene Mitgliederladen Onkel Emma. Der kann den wachsenden Bedarf aber schon länger nicht mehr decken.

Im kommenden Herbst, wenn alles fertig renoviert und eingerichtet ist, möchten die drei eröffnen – die Vorfreude ist spürbar. Aber bis dahin ist auch noch viel finanzielle Unterstützung nötig. „Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um Mitglied zu werden“, so Tobias Haberland. „Denn auch unser Finanzierungskonzept basiert auf der Solidarität von Vielen.“ Und ohne Mitglieder kann es keinen Mitgliederladen geben – logisch. Wer das Projekt gut findet, aber nicht dort einkaufen gehen möchte, kann es durch eine Genossenschaftsmitgliedschaft oder eine freiwillige Spende unterstützen.

Interview zur Ladengründung

Seit fast zwei Jahren stehen sie in den Startlöchern, nun kann es endlich losgehen: Das Team von PUNKT Marburg möchte ab Herbst einen zweiten öko-regionalen Mitgliederladen am Südbahnhof eröffnen.

Einen zweiten Mitgliederladen? Gibt es dafür überhaupt Bedarf?

PUNKT: Marburgs erster Mitgliederladen „Onkel Emma“ hält sich seit 20 Jahren erfolgreich und erfreut sich noch immer einer riesigen Nachfrage. Wer dort Mitglied werden möchte, wartet derzeit sieben, acht Jahre auf einen Platz. Die Idee, einen weiteren solchen Laden zu eröffnen, war deshalb sehr naheliegend. Wir pflegen mit Onkel Emma ein kooperatives Verhältnis.

Was ist das überhaupt – ein Mitgliederladen? Was macht euer Konzept so besonders und was haben die Leute davon?

PUNKT: Das Besondere ist, dass wir als Erzeuger-Verbraucher-Genoss*innenschaft Kooperationen mit regionalen Produzent*innen von Biolebensmitteln eingehen. Die Waren geben wir an unsere Mitglieder nur mit einem geringen Aufschlag weiter, in Schnitt 20-24% günstiger als im regulären Biomarkt. Von den monatlichen Mitgliedsbeiträgen finanzieren wir die Betriebskosten des Ladens und unsere Löhne. Das rechnet sich für beide Seiten. Außerdem legen wir Wert auf eine angenehme Einkaufsatmosphäre: Unser Laden soll auch ein Treffpunkt werden, ein schöner Ort, wo mensch sich gerne aufhält, eine Tasse Tee trinkt und wo auch die Kinder Platz zum spielen haben. Wir denken, dass uns das mit unserem Standort in der Zeppelinstr. gut gelingen kann.

Ja, diese Räumlichkeiten lassen sich sicher schön gestalten. Was soll das Sortiment denn alles umfassen?

PUNKT: Möglichst alles, was mensch auch beim Gang in den Supermarkt bekommt. Obst und Gemüse, Trockenwaren, frischen Käse, sonstige Molkereiprodukte, vegane Produkte, Getränke, Brot, Drogerieartikel. Wir möchten auch einiges an unverpackten Waren anbieten. Unser persönliches Highlight soll eine kleine Ecke mit DIY-Produkten werden – also z.B. Sämereien und Jungpflanzen für den eigenen Gemüseanbau, Soda und Natron zum abfüllen für die eigene Putzmittelherstellung etc. – und ein paar ausgewählte Bücher zu diesen Themen.

Das hört sich sehr zukunftsweisend an. Damit wären wir beim Thema Ökologie, Nachhaltigkeit, Klimaschutz. Wo seht ihr da euren Beitrag?

PUNKT: Unser Konzept ist nachhaltig auf verschiedenen Ebenen. Zunächst einmal ökologisch: Wir möchten die regionale Bio-Landwirtschaft stärken. Für kleinbäuerliche Betriebe ist es oft sehr schwierig, ihre Produkte zu vermarkten, wenn sie sich nicht von großen Handelsketten unter Druck setzen lassen möchten. Wir glauben aber daran, dass eine Landwirtschaft mit Zukunft nur so funktionieren kann – mit kleinen Betrieben, kurzen Vertriebswegen, konsequent ökologischem Anbau, saisonalem Angebot und einer neuen Wertschätzung für gute Lebensmittel bei den Verbraucher*innen. Dazu kommt die Nachhaltigkeit auf der sozialen Ebene: Wir streben faire Preise an, sowohl für Produzent*innen als auch für Verbraucher*innen. Außerdem faire Löhne für uns. Wie wir das schaffen? Durch die Solidarität der Mitglieder. Durch den planbaren Kund*innenstamm müssen wir weder viel Werbung machen noch viel Gewinn erzielen. Es reicht, wenn sich der Laden selbst trägt. Dazu ist gar nicht so viel nötig, wenn wir erst einmal die schwierige Startphase gestemmt haben. Außerdem gibt es ein Solidaritätsprinzip der Mitglieder untereinander: Wer etwas mehr hat, zahlt monatlich etwas mehr; wer weniger hat, zahlt den ermäßigten Beitrag. Und nicht zuletzt: Wir als Team möchten auf Augenhöhe miteinander arbeiten – alle haben das gleiche Mitbestimmungsrecht und können ihre Bedürfnisse frei äußern. Daher betrachten wir uns als Kollektiv.

Alles klar, dann bleibt nur noch eine Frage: Wie kann man bei euch Mitglied werden?

PUNKT: Einfach auf die Internetseite gehen und dort den Mitgliedsantrag ausfüllen. Auf der Seite gibt es neben grundlegenden Infos auch einen Beitrags- und einen Ersparnis-Rechner, die dabei helfen herauszufinden, ob sich eine Mitgliedschaft finanziell lohnt und welcher monatliche Beitrag der richtige wäre. Wer das Projekt gut findet, aber nicht bei uns einkaufen gehen möchte, kann uns auch gern durch eine Genossenschaftsmitgliedschaft oder eine kleine Spende unterstützen.

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